“Zwei Geschöpfe liebt Allah, die mit guter Moral und den Freigiebigen. Und zwei Geschöpfe hasst Allah, den mit verdorbener Moral und den Geizigen. Wenn Allah jemandem Gutes zuteil werden lassen will, nutzt Er ihn dafür, um die Bedürfnisse der Menschen zu erledigen.”
(Abu Nu‘aim, al-‘Iraqi)

Donnerstag, 24. Mai 2012

Die Liebe Allahs zu Seinen Dienern

Sicherlich wurde jedem von uns von der Kindheit an erzählt, dass wir Allah lieben sollen, und wie wichtig es ist, Allah zu lieben. Wir haben von den Gefährten und Gefährtinnen gehört und gelesen, die Allah geliebt haben, und was mit ihnen passiert ist, weil sie Allah geliebt haben. Aber von der umgekehrten Richtung haben wir weniger gehört. Was ist die umgekehrte Richtung?
Wie und wie sehr Allah uns liebt.

Ist es wichtig zu wissen, wie und wie sehr Allah uns liebt?
Es ist enorm wichtig. Denn es besteht die Gefahr, dass die Beziehung zwischen dem Menschen und Gott zur Routine wird. Man hat sich daran gewöhnt, Gott anzubeten und Ibada (Gottesdienst) zu machen. Man hat sich daran gewöhnt zu beten und zu fasten. Warum? Weil die Eltern das machen, weil alle das machen - und so macht man das auch alles. Es kann auch sein, dass man am Anfang Ibada mit Motivation gemacht hat, aber irgendwann ist es zu einer Gewohnheit, zur Routine geworden. Dann spürt man die Bedeutung des Gottesdienstes weniger. Deshalb ist es so wichtig zu wissen, wie und wie sehr Gott uns liebt.

Es gibt auch Leute, die Gott in erster Linie aus Angst anbeten. Ihre Beziehung zu Gott ist von Angst und Zweifeln dominiert. Sie haben Angst, dieses falsch zu machen und das und jenes, damit sie nicht in die Hölle kommen. Deswegen ist es wichtig zu wissen, warum Allah (s.w.t.) uns liebt: Der Kern der Beziehung zu Allah ist nicht Angst vor Ihm, sondern Seine Liebe zu uns. Gott liebt Seine Diener, und die Diener erwidern diese Liebe, indem sie Ihn anbeten, wie es Ihm gebührt. So macht der Gottesdienst Freude und man gewinnt Motivation in der Beziehung zwischen sich und Gott: Du betest Allah mit Freude und mit Motivation an, du bist nicht dominiert von Angst, denn du weist, dass der Kern dieser Beziehung die Liebe von Allah (s.w.t.) ist. Dann gibt es Ruhe (sakîna) in dieser Beziehung.

Der Beginn der Beziehung zwischen Allah und dem Menschen
Wie hat denn die Beziehung zwischen Gott und dem Menschen angefangen?
Es wird berichtet, dass Allah (s.w.t.) über eine sehr lange Zeit einen Haufen Ton reifen lassen hat. Dann hat Er aus diesem Ton Adam (a.s.) geschaffen. Was geschah als erstes in dieser Beziehung? Hat Adam die Krise bekommen, war er dominiert von Angst und Zweifeln? Adam (a.s.) nieste und sagte "Al-hamdulillah!" (Alles Lob gebührt Allah). Und - es gab eine Antwort darauf: Allah sagte zu ihm: "Rahamukallahu ya Adam!" (Allah ist Dir gnädig, o Adam!). So fing diese Beziehung an, liebe Geschwister. Eine Zusicherung von Allah von Anfang an, dass Du Seine Barmherzigkeit hast und unter Seiner Gnade lebst. Das ist der Anfang der Beziehung zwischen Gott und dem Menschen.

Wenn Allah eine/n seiner Diener/innen liebt ...
Es mag sein, dass man sagt: "Ich möchte aber Beweise, ich möchte stärker spüren, warum und wie Allah mich liebt." Der Prophet (s.a.s.) berichtet, dass Allah, wenn Er jemanden liebt, Dschibril (Gabriel, a.s.) ruft und sagt: "Dschibril, ich liebe den soundso (per Name wirst du dann von Allah genannt!), so liebe ihn." So liebt ihn Dschibril (a.s.) Dann ruft Dschibril zu den Leuten des Himmels (das sind die Seelen der Propheten und der Gläubigen) und sagt: "Allah (s.w.t.) liebt den soundso, so liebt ihn." Und so lieben ihn die Leute des Himmels." Und nicht nur das, sondern Allah lässt diesen Menschen auf der Erde die Akzeptanz der anderen Menschen erfahren. Die Leute mögen ihn, man möchte gerne Kontakt mit ihm haben und eine Beziehung mit ihm oder ihr eingehen. Wenn Allah jemanden liebt, dann versteckt Er seine Liebe nicht. Alle sollen es mitbekommen: Dschibril, die Leute des Himmels und die Menschen auf der Erde.

Was passiert aber, wenn Allah jemanden liebt, welche Wirkung hat das? 
In einem Hadith Qudsi berichtet der Prophet (s.a.s.), dass Allah (s.w.t.) sagt: "Demjenigen, der einen Wali von Mir (einen Mir Nahestehenden) zum Feind nimmt, habe Ich den Krieg erklärt". Manche meinen, ein Wali sei etwas Großartiges, etwas Unerreichbares, es müsse ein Mausoleum geben, wo die Leute hinpilgern usw. Aber was sagt Allah im Koran? Auliya (Pl. von Wali) sind "diejenigen, die an Allah glauben und Ihn fürchten". Diejenigen, die an Gott glauben und Ihn fürchten, sind diejenigen, die Ihm nahe stehen. Mehr nicht. Allah sagt also: "Demjenigen, der einen Wali von Mir zum Feind nimmt, habe Ich den Krieg erklärt, und das beste, mit dem Mein Diener sich Mir annähern kann, sind die von mir gebotenen Pflichten (fard) zu verrichten. Und mein Diener nähert sich solange durch freiwillige Taten (nafila) an mich an, bis Ich ihn liebe." Und was passiert, wenn Allah jemanden liebt? "Und wenn Ich ihn liebe, dann bin Ich sein Ohr, mit dem er hört, und sein Auge, mit dem er sieht und seine Hand, mit der er zupackt und sein Fuß, mit dem er geht. Und wenn er Mich nach etwas fragt, dann gebe Ich ihm. Und wenn er Mich um Zuflucht bittet, dann gewähre Ich sie ihm."

Es gibt noch weitere Ahadith, die zeigen, wie Allah (s.w.t.) seinen Diener und seine Dienerin liebt. Es wird vom Propheten (s.a.s.) berichtet, dass er eines Tages mit seinen Gefährten unterwegs war, und sie sahen eine Frau mit ihrem Kind an einer Feuerstelle. Die Mutter trug das Kind im Arm und hielt es vom Feuer fern. Der Prophet zeigte auf die Frau und sagte: "Seht ihr diese Mutter? Traut ihr dieser Mutter zu, dass sie ihr Kind ins Feuer wirft?" Die Gefährten verneinten dies. Da sagte der Prophet (s.a.s.): "Allah ist barmherziger mit seinem Diener als diese Frau mit ihrem Kind." Das ist die Gnade von Allah!

Und wisst ihr, liebe Geschwister, als Allah (s.w.t.) die Gnade geschaffen hat, hat er sie in 100 Teile geteilt. Ein Teil, nur ein einziger Teil, wurde uns geschickt, das ist die Gnade der Menschen untereinander. Die anderen 99 Teile hat Allah bei Sich behalten. Warum? Für den Tag, an dem es darauf ankommt, für den Jüngsten Tag hat Allah uns diese 99 Teile aufgespart. Der Prophet sagt, dass Allah am Jüngsten Tag den einen Teil der Gnade, den Er auf die Erde gesandt hat, wieder mit den 99 Teilen zusammenfügt und dann die ganze Gnade auf die Gläubigen verteilt. Warum Er das macht? Weil Er uns liebt!

Noch ein anderer Hadith: Der Prophet (s.a.s.) berichtet von Allah (s.w.t.): "Allah, der Mächtige und Erhabene, spricht: "Wer Gutes tut, wird dafür das Zehnfache erhalten, und Ich vermehre es. Wer Böses tut, dessen Vergeltung entspricht seiner bösen Tat oder Ich vergebe ihm. Wer sich Mir eine Handspanne nähert, dem komme Ich eine Elle entgegen; und wer sich mir eine Elle nähert, dem komme Ich einen Klafter entgegen; wer zu Mir gegangen kommt, zu dem komme Ich gelaufen, und wer Mir mit Sünden so groß wie die Erde begegnet, Mir aber nichts zur Seite stellt, dem begegne Ich mit entsprechender Vergebung." Warum macht Er das? Weil Er uns liebt! Wie wäre es, wenn der Hadith lauten würde: "Wer sich Mir eine Handspanne nähert, dem komme Ich auch eine Handspanne entgegen..." oder "Wer zu Mir gegangen kommt, zu dem komme Ich auch gegangen..." Eins zu eins - das wäre fair. Man hätte sich darüber auch gefreut. Aber nein: "Wer zu Mir gegangen kommt, zu dem komme Ich gelaufen!" "Wer Böses tut, dessen Vergeltung entspricht seiner bösen Tat, und wer Gutes tut, wird dafür das Zehnfache erhalten, und Ich vermehre es." Warum? Weil Er uns liebt.

Was ist dann von uns verlangt?
Dass wir diese Liebe erwidern! Es soll uns motivieren, auf die Beziehung mit Allah (s.w.t.) zu achten und dieser Beziehung gerecht zu werden. Wir können diese Liebe nicht Eins zu Eins erwidern, aber von uns ist verlangt, dass wir uns anstrengen, diese Liebe zu erwidern und Allah anzubeten.
Wenn man diese Ahadith hört, sagt man sich: "Der Mensch als Individuum erscheint so wichtig bei Allah und er steht Ihm so nah." Wie groß sind wir jedoch tatsächlich vor der Herrschaft Allahs (azzawadschal****)? In einem Hadith wird die Herrschaft von Allah beschrieben, und jeder von uns soll sich fragen, wie groß er selbst davor ist. Über die Herrschaft Allahs, die sich über die sieben Himmel erstreckt, wird berichtet, dass der erste Himmel im Vergleich zum zweiten so groß ist wie ein Ring in der Wüste, und der zweite Himmel im Vergleich zum dritten so groß ist wie ein Ring in der Wüste, und so geht es weiter bis zum siebten Himmel. Und der siebte Himmel ist im Vergleich zum Thron Allahs so groß wie ein Sandkorn in der Wüste.

Wie groß bist Du davor?
Und trotzdem ist Allah uns so nah und behandelt uns so gut! Wie kann ein Mensch es dann noch rechtfertigen, dass er Sünden begeht?

Noch ein Beispiel, wie Allah uns liebt: Der Prophet (s.a.s.) sagt: "Wenn jemand ein Stück von einer Dattel spendet, dass er mit Halal (mit erlaubten Mitteln) verdient hat, dann nimmt Allah es mit Seiner rechten Hand." Das heißt, Er akzeptiert diese Spende ausdrücklich. Und es heißt weiter, dass Allah dieses Stück einer Dattel pflegt, wie jemand sein kleines Pferd pflegt, bis der Spender Allah begegnet und dieses Stück so groß wie ein Berg geworden ist."

Allahs Namen
Betrachten wir die Namen Allahs. Manche Gelehrte haben gesagt, dass man die Namen Allahs in drei Kategorien aufteilen kann. Eine Gruppe beschreibt die Fähigkeiten Allahs: Al-Mumît (Derjenige, in Dessen Hand der Tod ist), as-Samî' (der Hörende), al-Basîr (Der Sehende). Diese Gruppe umfasst viele der Namen Allahs. Die zweite Kategorie beschreibt den Zorn Allahs (azzawadschal). Das sind - alhamdullilah - nur zwei Namen: Al-Qahâr (Der Unterwerfer) und al-Muntaqim (Der Rächende). Und dann kommt die größte Kategorie der Namen, mit denen Allah Sich beschrieben hat: Die Namen, die Seine Barmherzigkeit beschreiben: z.B. asch-Schakûr (der Dankbare) - Allah ist dankbar! Wofür ist Allah dankbar? Wenn Sein Diener etwas Gutes tut, dann ist Allah dankbar. Aber wir, wenn wir die Wohltaten Allahs erhalten, sind oft leider nicht dankbar.
Oder al-Latîf (der Feinfühlige), al-Wadûd (der Zugeneigte), az-Zabûr (der Geduldige) - Allah ist geduldig, Allah ist mit Seinen Dienern geduldig! Und wie geduldig sind wir? Man ist unter seinen Geschwistern, gläubige Geschwister, aber die Menschen haben verschiedene Charaktere, dann ist man schnell genervt und zieht sich zurück. Man zieht sich zurück und sagt sich: "Ich bin ein guter Muslim, ich mache auch was für den Islam, aber ich bin ein Einzelgänger, das ist gut so!" Aber Allah sagt in Sura al-Kahf: "Sei geduldig mit denjenigen, die Allah anbeten am Tag und in der Nacht und wende deine Augen nicht von ihnen ab." Manche denken, "sei geduldig" bedeutet nur, dass wir alle Geduld haben müssen. Nein, es heißt, sei geduldig mit den Mu'minîn! Wenn ein Bruder oder eine Schwester irgendeine Art hat, die dich stört, dann sei geduldig mit ihm oder ihr!

Liebe Geschwister, wir reden von der Liebe Allahs (azzawadschal), und wir haben gesehen, wie und wie sehr Allah uns liebt. Ich möchte gerne zwei Beispiele nennen, zwei Persönlichkeiten des Islam, die Allah geliebt hat. Was ist ihnen, die Allah geliebt hat, passiert?
Da ist Khadidscha, Ummu-l-Mu'minîn, (r.a.*****): Sie hat den Propheten (s.a.s.) unterstützt in seiner Botschaft und in seiner Da'wa. Allah (s.w.t.) hat sie geliebt und was hat Er gemacht? Als sie im Sterbebett lag, sandte Allah Dschibril zum Propheten (s.a.s.). Er trug Dschibril auf, dem Propheten zu sagen: "Grüß Khadidscha von Allah! Und sage ihr, dass Allah ihr im Paradies einen Palast vorbereitet hat aus Perlen, in dem es keine Müdigkeit und keine Anstrengung gibt." Khadidscha lag im Sterben - Allah hätte warten können, bis sie gestorben ist und ihre Seele zu Ihm kommt. Aber nein, Er will, dass jeder weiß, dass Allah Khadidscha liebt - weil sie den Propheten und den Islam unterstützt hat, etwas getan hat.
Das andere Beispiel ist Ubay ibn Ka'b (r.a.). Ubay ibn Ka'b war Jude und ist Muslim geworden. Als die Sure Al-Baiyina dem Propheten offenbart wurde (Al-Baiyina behandelt die Leute des Buches, Ahlul-Kitab) hat Allah dem Propheten befohlen, diese Sure für Ubay ibn Ka'b zu rezitieren. Der Prophet hat ihn daraufhin rufen lassen und zu ihm gesagt: "Ubay, Allah hat mir befohlen, Sura al-Baiyina für Dich zu lesen." Ubay ibn Ka'b fing auf der Stelle an zu weinen. Der Prophet sagte: "Ich habe noch nicht angefangen zu rezitieren, wieso weinst Du denn?" Ubay fragte: "Hat Allah (s.w.t.) zu dir gesagt ‚Lies Al-Baiyina für Ubay ibn Ka'b?' Hat er mich mit Namen genannt?" Der Prophet sagte: "Ja." Da lief Ubay ibn Ka'b weinend fort und sagte: "Anna ladhi samâni rabbi!" (Ich bin der, den mein Herr mit Namen genannt hat.).

Die Prüfungen
Es mag sein, liebe Geschwister, dass man sich fragt: "Gut, der Bruder redet von der Liebe Allahs (azzawadschal). Aber wir sehen manche Leute, die sind fromm, aber arm. Einer war wohlhabend und war fromm, er hat gespendet, und dann hat er sein Geld verloren. Oder ein anderer, er ist auch fromm, aber er hat Schwierigkeiten." Aber was wäre, wenn der Mensch immer Erfolg hat und alles läuft, wie er es sich wünscht, so dass der Mensch, der Gläubige, im Diesseits verhaftet ist? Es kann dann dazu kommen, dass man sich von Allah entfernt, dass man abwesend ist.
Allah (azzawadschal) prüft den Menschen. Er sagt: "Komm nah zu Uns, wende dich an Mich!" Er prüft dich, damit er Deine Stimme hört, damit du im letzten Drittel von der Nacht aufstehst und Qiyam machst, nachts im Gebet stehst und deine Hände nach Ihm ausstreckst. Wann hast du das letzte mal Qiyam gemacht und Allah von deinen Problemen erzählt? Erzähle Allah deine Probleme! Er will deine Stimme hören.

Und es mag sein, dass manche Geschwister jetzt sagen, "Gut, der Bruder redet von diesen Prüfungen aber wir sehen ja die Bilder im Fernsehen. Kinder die unter Krieg leiden, Frauen die vergewaltigt wurden, wie in Bosnien. Wo ist denn da die Liebe von Allah?"
Liebe Geschwister! Thiqqa wa Yaqîn, Vertrauen und Gewissheit über Allah (azzawadschal) müssen wir haben! Wir müssen sicher sein, dass Allah gerecht ist. Dass der Jüngste Tag und das, was der Prophet (s.a.s.) über diesen Tag gesagt hat, eine Gewissheit ist. Er hat gesagt, dass die Menschen in diesem Tag in zwei Gruppen eingeteilt werden: Ahl al-mauqif (die Leute der Situation) und Ahl al-bala' (die Leute der Belastung). Die Leute der Situation, das sind Leute wie wir, die normal geprüft werden. Wir warten ein paar Monate oder ein paar Jahre auf einen Job, finden keine Arbeit und so weiter. Und die Leute der Belastung sind die Leute, von denen wir reden, die Kriege, Hungersnot und Schlimmeres erleben. Am Jüngsten Tag sagt Allah (azzawadschal): "Ich habe euch einmal im Leben belastet, ein zweites Mal werdet ihr nicht belastet. Ihr geht ins Paradies ohne Hisâb, ohne Rechenschaft." Das ist eine Gewissheit. Deswegen ist es wichtig, über den Jüngsten Tag und Allahs Gerechtigkeit sicher zu sein. In Sura al-Baqara sagt Allah (s.w.t.): "und denen der Jüngste Tag eine Gewissheit ist". Es heißt nicht, die an den Jüngsten Tag "glauben", sondern die "Gewissheit haben".

Der Prophet berichtet weiter, dass in diesem Moment die Leute der Situation (Ahl al-mauqif) sich wünschen, dass sie im Leben auch so Schreckliches erlebt hätten wie die Leute der Belastung, damit sie jetzt in der gleichen Situation wären und keine Rechenschaft von ihnen verlangt würde. Allah schickt die Leute der Belastung ins Paradies, und es wird in einem Ausspruch des Propheten berichtet, dass Er sie dann wieder herausholt und fragt, wie es ihnen jetzt geht. Er fragt das Kind, dass den Krieg erlebt hat: "Hat Du jetzt noch Probleme?" Und das Kind sagt: "Nein, alles ist gut." Jeder von uns wird sich dann wünschen, dass er in dieser Situation ist - denn auf diesen Moment, auf diesen Tag kommt es an. "Der Tag an dem die geheimsten Gedanken geprüft werden, dann hat er (der Mensch) weder Kraft noch einen Helfer." (Sura at-Tariq).

Zeichen, dass Allah (s.w.t.) dich liebt
Vielleicht sagen jetzt manche: "Ich möchte aber konkrete Hinweise, anhand derer ich erkennen kann, ob Allah mich liebt. Konkrete Dinge, die, wenn sie mir passieren, zeigen, dass Allah mich liebt.” Solche Zeichen gibt es:

1. At-Tadaiyun - die Religiösität
Der Prophet (s.a.s.) sagt: "Allah gibt das diesseitige Leben demjenigen, den er liebt und demjenigen, den er nicht liebt. Aber die Religiösität (dîn) gibt er nur demjenigen, den er liebt. Und wenn Allah jemandem die Religiösität gegeben hat, dann hat Allah ihn geliebt." Wenn du mehrere Jahre lang zum Fadschr-Gebet nicht pünktlich aufgestanden bist und durchgeschlafen hast, und jetzt auf einmal betest du Fadschr pünktlich; oder du hast immer wenig Qur'an gelesen und jetzt auf einmal liest du Qur'an; oder Du hast nicht darauf geachtet, wie du dein Geld verdient hast, und jetzt achtest du darauf, dass du dein Geld auf halale (erlaubte) Art und Weise verdienst - das sind Schritte nach vorne, wenn dir so etwas passiert, weist du, dass Allah dich liebt. Jeder Schritt, mit dem du Allah näher kommst, ist ein Zeichen Seiner Liebe zu dir.

2. Allah benutzt dich für Seine Religion und erleichtert dir die guten Taten
Immer wenn du gefragt wirst, etwas für die Gemeinschaft zu tun oder jemandem zu helfen, ist dies ein Zeichen Seiner Liebe zu dir. Du gehst zum Beispiel zur Moschee und triffst jemanden, der dich bittet, ihm das Gebet beizubringen. Du triffst Freunde und fragst, wo sie hingehen, und sie gehen in die Moschee, und du gehst mit, obwohl du das nicht vorhattest. (Oder du surfst im Internet und stößt auf al-sakina.de und liest diesen Vortrag ;-). Wenn dir so etwas passiert, musst du es ausnutzen: Allah neigt sich dir zu, und erleichtert dir die guten Taten - das kannst du nicht ablehnen.

3. Die Erschwerung der Sünde
Du hast vor gehabt, etwas Falsches zu tun, aber etwas ist passiert, was es verhindert hat. Das ist ein Zeichen, dass Allah dich liebt.

4. Eine gute Umgebung
Wenn Allah dir gute und fromme Menschen über den Weg schickt, die dir helfen, dich gut zu entwickeln, und dich auf dem Weg zu Allah unterstützen, dann weist du, dass Allah dich liebt. Von ihnen solltest du dich nicht abwenden, sondern ihre Hilfe annehmen und ihre Ratschläge ernst nehmen.

Ich möchte meinen Vortrag mit einem Hadith abschließen, der uns hilft, die Liebe Allahs stärker zu spüren. Ich hoffe, dass jede/r versucht, diesen Hadith bei sich zu behalten. Es ist ein Hadith Qudsi, d.h. der Prophet berichtet, dass Allah (s.w.t.) sagt:

"Die Geschichte von Mir und den Menschen und den Dschinn ist erstaunlich: Ich erschaffe und ein anderer wird angebetet. Ich gebe, und einem anderen wird gedankt. Ich sende das Gute von Mir meinen Dienern herab und ihre Bösartigkeit steigt zu Mir herauf. Ich neige Mich ihnen mit Meiner Gnade zu und bedarf ihrer nicht, und sie entfernen sich von Mir mit ihren Sünden, und sind doch auf keinen außer Mich angewiesen. Die Leute, die Mir gedenken, sind die Leute, die bei Mir sitzen, wer also bei Mir sitzen will, der soll Mir gedenken. Die Leute, die Mir gehorsam sind, sind die Leute Meiner Liebe, und die Leute, die Mir ungehorsam sind, lasse Ich die Hoffnung auf Meine Gnade nicht aufgeben. Wenn sie bereuen, dann bin Ich ihr Geliebter und wenn sie nicht bereuen, dann bin Ich ihr Heiler. Ich prüfe sie mit Belastungen, damit Ich sie von ihren Fehlern reinige. Eine gute Tat ist bei Mir zehnmal so viel wert und vermehre ihren Wert, und eine schlechte Tat zählt wie sie ist, und Ich verzeihe. Bei Meiner Erhabenheit, wenn sie die Tat bereuen, dann verzeihe Ich ihnen. Wer von ihnen Mir mit Reue entgegenkommt, den erwarte Ich schon von weit weg, und wer sich von Mir abwendet, den rufe Ich von ganz nah: ‚Wo gehst du hin? Hast Du einen anderen Gott außer Mir?'"

Das ist die Liebe von Allah (azzawadschal), liebe Geschwister. Und was übrig bleibt ist: Zu versuchen, diese Liebe zu erwidern; Allah (s.w.t.) anzubeten, wie es Ihm gebührt; darauf zu achten, wie man sein Geld verdient; Geduld zu haben mit sich selbst und mit dem Leben; solidarisch miteinander zu sein; etwas für den Islam zu tun, pünktlich zu beten, auf sein Verhalten zu achten: "Ad-dînu mu'amala" (Religion ist Verhalten) hat der Prophet gesagt; niemandem etwas nachzutragen, denn der Prophet hat gesagt: "Wer am Abend einschläft, und am Morgen aufwacht und niemandem etwas nachträgt, der ist meiner Sunna (Lebensweise) gefolgt."

"Unser Herr, belange uns nicht, wenn wir etwas vergessen oder einen Fehler begehen. Unser Herr, lege uns keine Bürde auf, wie Du sie denjenigen vor uns auferlegt hast. Unser Herr, bürde uns nichts auf, wozu wir keine Kraft haben. Verzeihe uns, vergib uns und erbarme Dich unser!"

Dienerschaft als Sinn des Lebens

Abu Muhammad

Alles Lob gebührt Allaah. Friede und Segen seien auf dem Gesandten Allaahs, auf seiner Familie, seinen Gefährten und allen, die ihnen in Gutem folgen und folgten.

Der Mensch lebt in dieser Welt verwoben in einem Zusammenhang, in dem er allen Gegenständen und Geschöpfen um ihn herum einen Sinn zuschreiben kann. Alles in der Natur ist miteinander verbunden, um Leben zu ermöglichen. Alles in der Natur ist nutzbar zu machen. Allein mit der Frage nach seinem eigenen Sinn tut er sich schwer. Wenn alles Sinn macht sogar bis ins letzte Detail hinein, wenn alles in deutlicher Harmonie miteinander besteht, dann ist es abwegig, sich selbst, das menschliche Leben insgesamt oder die gesamte Realität als sinnlos und „eben einfach existierend“ abzutun, wie es manche tun.

Die Mehrheit sucht aber nach einem Sinn des Lebens. Wenn der Mensch ernsthaft nach dem Sinn/Ziel von etwas fragt, kennt er nur zwei Möglichkeiten.

Entweder hat etwas
a) einen Instrumentalsinn, das heißt es hat den Sinn, etwas anderes zu bewirken, zu erleichtern, ein Bedürfnis zu befriedigen. Damit ist es ein untergeordnetes Glied in einer Kausalkette. Oder:

b) etwas ist der Letztsinn. Es findet Sinn in sich und man kann nicht mehr weiterfragen.

Wenn der Mensch die Frage nach Sinn oder Ziel des Lebens beantworten will, kann er mit a) antworten und nach einem Instrumentalsinn suchen. Dann ist das Leben ein Mittel etwas anderes, höheres, folgendes in der Kausalkette zu bewirken. Z. B. der Sinn des Lebens ist, Glück zu spüren, Sinn des Lebens ist Schmerz zu beseitigen. Das Problem dabei ist, dass die ganze Kausalkette unlogisch wird, weil man den Sinn von etwas in einem solchen Ding findet, das gar nicht existieren würde, wenn nicht auch das, dessen Sinn erfragt wird, existierte. Denn ohne den Menschen gäbe es gar nicht die Möglichkeit für ihn Glück zu empfinden, es gäbe keinen Schmerz: Warum soll also der Mensch geschaffen sein, um ein Problem zu beseitigen, das ohne ihn gar nicht bestände?

So kann man, wenn man nach dem Instrumentalsinn eines Roboters gefragt wird, nicht sagen, der Sinn des Roboters läge darin, dass dieser sich selbst seine Schuhe bindet, sich selbst Kleider anzieht oder sich selbst reparieren kann. Denn damit hat man den Sinn des Roboters in der Befriedigung eines Bedürfnisses gefunden, das gar nicht ohne den Roboter existieren würde. Gefragt war aber nach dem Sinn der ganzen Kausalkette und nicht nach einem logischen Zirkelschluss. Der Sinn eines Roboters oder jedes anderen Instruments kann aber nur darin gesehen werden, dass er etwas außer sich liegendes bewirkt, z. B. seinem Erfinder die Schuhe bindet, ihm die Kleider anzieht, oder ihn verarztet, um bei den Beispielen zu bleiben.
Ein solcher Zirkelschluss bei einer Sinnfrage wird pointiert ins Lächerliche gezogen durch die Frage „Was ist der Sinn der Ehe“ und die folgende Antwort „Damit beide gemeinsam die Probleme lösen, die sie nicht hatten, als sie noch unverheiratet waren.“

Wenn man nach dem Sinn des Lebens fragt und eine solche Instrumentalantwort sucht, dann darf man keinen solchen Zirkelschluss begehen. Wenn schon, dann muss man etwas Höheres als das menschliche Leben anerkennen, man muss das Leben des Menschen instrumentalisieren für einen höheren Zweck, der schon selbst der Endzweck ist oder zumindest (über einen oder mehrere Schritte) zum Endzweck führt. Viele religionsähnliche Ideologien gehen offensichtlich diesen Weg: Der Faschismus sieht im Sinn des Lebens die Höherentwicklung der Rasse, der Sozialdarwinismus in der Ausmerzung der Schwächeren, der Sozialismus sieht die Vollendung des menschlichen Daseins erst in der klassenlosen Gesellschaft, bis dahin dient menschliches Leben nur der Vorbereitung dieser Ordnung. Der Pharao Ägyptens degradierte seine Untertanen zu Arbeitern, die nur für sein eigenes ewiges Leben Pyramiden errichten sollten. Götzendiener opfern Menschen, um ihre Götter zufrieden zu stellen.
Will man nichts Höheres als den Menschen anerkennen, so verweigert man die Suche nach einem instrumentellen Zweck des Menschen und erklärt den Menschen zum höchsten Ziel wie unter b). Damit ist der Mensch quasi sein eigener Gott, das letzte Glied in einer Kausalkette.
Der Humanismus geht diesen Weg und ist augenscheinlich darum bemüht, den Menschen vor einer Instrumentalisierung durch dunkle Ideologien zu schützen. Menschliches Leben darf nicht in den Bereich des Nutzdenkens gezogen werden, wie es Rassendenken und Machtideologien tun. Auch gegen die monotheistische Religion richtet sich dieser humanistische Gedanke, denn nach der Kritik liefert der Monotheismus den Menschen an eine höher stehende Kraft aus. Wenn der Mensch sich aber als letztes Glied der Kausalkette sieht, ohne ein höheres Ziel anzusehen, so wird alles um ihn herum zum Instrument für ihn.
Die Natur wird daher ausgebeutet, so lange man sich einen Nutzen verspricht. Wenn dann nach langer Ausbeutung der Schaden für das menschliche Leben selbst sichtbar wird, dann wird die Bewahrung der Natur auf die Fahnen geschrieben. Die Natur wird jedoch nur geschützt, weil sie dem obersten Ziel, dem Menschen, dient, nicht aber weil die Natur einen ihr innewohnenden Sinn und ein eigenes Recht hätte. Diese Instrumentalisierung von allem, ist die logische Folge, wenn der Mensch sich ohne eine übergeordnete Macht selbst an die Spitze der Schöpfung stellt. Gleichzeitig fühlt der moderne Mensch Unbehagen bei dieser Instrumentalisierung, was das Beispiel der Massentierhaltung zeigt.
Die eiskalte Reduzierung des Lebenssinns von Tieren auf Fleischmaschinen oder Eierautomaten in beengten Käfigen und unter strengster Rationalisierung lässt die meisten Menschen zurückschaudern. Eine Haltung im Freien, die das Tier eher so leben lässt, wie es schon vor dem Menschen lebte, erscheint diesen Leuten als „menschlicher“ bzw. „tierisch-angemessener“ – auch für solche, die nicht prinzipiell gegen das Schlachten des Tieres zum Fleischverzehr sind. Was ihnen Abscheu einflößt, ist die totale Reduzierung des Lebenssinns des Tieres auf seine Funktion für den Menschen. Viele Menschen schrecken also vor ihrer eigenen Vergötzung zurück.

Der Islam sieht das Ziel des Menschen in der Anbetung Allaahs. Der Mensch ist also kein Selbstzweck wie unter b).
Die Gefahr der Instrumentalisierung ist aber nicht gegeben, da die Anbetung Allaahs für Allaah nicht von Nutzen ist. Der Mensch ist also kein Werkzeug, kein Glied in einer Kausalkette, um für Allaah einen Nutzen hervorzubringen.Da Allaah die menschliche Anbetung nicht braucht und bedürfnislos ist, wird Anbetung für den Menschen eine Ehre. Der Mensch wird zum Diener des Höchsten, ohne dass dieser Höchste, Allaah, sich seiner bedient.
Der Mensch steht durch sein Bewusstsein in der um ihn herumliegenden Schöpfung am höchsten, da er befähigt ist, alles auf seine Funktion und seine Mittel-Zweck-Beziehung hin zu untersuchen. Wenn er will, kann er theoretisch alles, was unter ihm steht, instrumentalisieren (auch wenn er es nicht darf). Der Mensch ist im Islaam weder Instrumentalzweck (da er kein Instrument für Allaah ist) noch ein Endzweck in sich.

Die Instrumentalisierung der restlichen Schöpfung durch den Menschen wird auch im Islaam verhindert durch die Auszeichnung des Menschen als Chaliifa. Der Mensch ist ein Stellvertreter (Chaliifa) Allaahs. Damit hat er eine gewaltige Ehre und Verantwortung, während ihm gleichzeitig der Rest der Schöpfung nur anvertraut ist. Instrumentalisieren darf er nur im begrenzten Rahmen, wie es ihm seine von Allaah eingegebene Natur gestattet (z. B. so viel essen, um satt zu werden, aber nicht Tiere töten als Sport). Damit stehen in gewisser Weise Mensch und Rest der Schöpfung auf ähnlicher Stufe, da sie beide erschaffen sind.
Gleichzeitig aber erhält der Mensch seine Würde durch Allaah, da er sein Stellvertreter sein darf. Er darf die Aufgaben übernehmen, die ihm Allaah, Der das letzte Ziel der Schöpfung ist und zu dem alles zurückkehrt, zugestanden hat. Die Rolle des Menschen ist damit durch Würde und Ehre (wie unter Lösung b) und gleichzeitig durch Bescheidenheit (wie unter a) gekennzeichnet, vermeidet aber die beiden Möglichkeiten, den Menschen zum Instrumentalzweck zu erniedrigen oder zum Selbstzweck zu vergotten.
Was den Menschen Würde gibt, ist die Tatsache, dass alles in seinem Machtbereich liegende von ihm zum Werkzeug gemacht werden kann, ohne dass es sich bewusst wird, wie es benutzt wird. Der Hammer, dessen sich der Mensch bedient, ist tote Materie und merkt nicht, dass er ein bloßes Werkzeug ist. Das Tier, das der Mensch jagt und schlachtet, wehrt sich mit Zähnen und Krallen, aber nur um sein Leben zu retten, nicht weil es sich instrumentalisiert, benutzt oder funktionalisiert vorkommt. Der Mensch ist das einzige (ihm selbst sichtbare) Lebewesen, dass es merkt, wenn es zum Glied in einer Kausalkette wird und wenn sich eine andere Macht seiner bedient. Diese Macht kann nur Allaah sein, der ihnauch tatsächlich als „Diener“ anspricht, aber doch ohne sich seiner zu „bedienen“.
Dies ist eine Tatsache, die der Mensch sonst nicht kennt: alles Höhere instrumentalisiert Niedrigeres. Diener bedienen Höherstehende. Bei Allaah ist es aber anders: Er erklärt den Menschen zu seinem eigenen Diener, ohne etwas dafür zu bekommen und belohnt ihn noch dafür. Er gibt, ohne zu bekommen. Er macht den Menschen zu seinem Diener, ohne dass der Diener von ihm Ungerechtigkeit oder Maßlosigkeit fürchten müsste. Er ernennt ihn zu seinem Stellvertreter (Chaliifa), womit er dem Menschen die Fähigkeit zugesprochen hat, die Aufgaben des Stellvertretertums auch auszufüllen. Er lässt ihn diese Aufgaben tun und belohnt ihn noch dazu, obwohl er diese Aufgaben auch selbst tun könnte durch seinen bloßen Willen.

Über den Sinn der Erschaffung des Menschen sagt Allaah: „Wa ma chalaqtu l- dschinna wa l-insa illa li-ya’buduun“: „Ich habe die Dschinn und Menschen nur erschaffen, dass sie mir dienen.“ (51:56)
In Sura Yasin Vers 61 wird diese Anbetung als der gerade Weg (siraat mustaqiim) beschrieben: „Und dass sie mir dienen: das ist der gerade Weg.“
Und von dort lässt sich eine Verknüpfung zur Sura al-Faatiha herstellen. Mit ihr sollen die Muslime genau um diesen „geraden Weg“ beten: um den geraden Weg der Dienerschaft, der zu Allaah führt am Ende aller geschaffenen Kausalketten, wodurch das menschliche Leben seinen Sinn findet in etwas, das in all seinen Aspekten höher steht und außerhalb seiner selbst liegt.

Wie aber gehen die Menschen mit dem Sinn ihres Daseins um?
Ein großer Teil der Menschheit sucht den Sinn des Lebens in Dingen, die nur ein Teilaspekt des Lebens sind, die in der Folge des Lebens entstanden sind und nicht an seinem Anfang stehen. Sie haben all ihr Streben auf einem Zirkelschluss, einem Teufelskreis aufgebaut. Wenn man zurück zur Sura Yasin schaut, so sieht man, dass einen Vers vor dem genannten das Gegenteil des geraden Wegs erwähnt wird: Die Anbetung des Schaitans! (36:60) Der Teufelskreis ist also durchaus nahe liegend. Am Anfang des Lebens steht Allaah, im Gefolge des Lebens stehen Reichtum, Vergnügen, Nachkommen, Kunst, Sport – allesamt Dinge, die das vorhandene Leben angenehmer, einfacher machen oder auch wie im Falle von Nachkommenschaft fortführen, jedenfalls aber nicht hervorgebracht haben.

Allaah sagt im Qur’aan: al-maalu wa l-banuuna ziiynatu l-hayaati d-dunya. „Vermögen und Söhne sind der Schmuck (Ziiyna) des diesseitigen Lebens.“ (18:46) Also Schmuck, Anhängsel und nicht der eigentliche Sinn, die Essenz, das Wesen und der Daseinsgrund.
Diese Sinnentstellung ähnelt dem Fall einer Behörde, z. B. einem Verteidigungsministerium, deren Mitarbeiter völlig den eigentlichen Grund ihrer Tätigkeit vergessen haben und in ihren Büros nur noch mit dem Ölen der Schreibmaschinen, dem Polieren der Tische und dem Funktionieren des Kaffeeautomatens beschäftigt sind. Selbst der Verteidigungsminister hat völlig das Ziel aus den Augen verloren und kontrolliert nur noch regelmäßig diese Tätigkeiten, lässt ständig sein Namensschild erneuern und entwirft neue Muster für seine Visitenkarten. Erst wenn solche Menschen von der Regierung zur Verantwortung gezogen werden, merken sie, dass sie ihre eigentliche Aufgabe hinter Details vergessen haben, die ihren Sinn lediglich durch eben diese
Aufgabe bekommen haben! Ein Verteidigungsminister, der sich nicht der Verteidigung widmet, braucht weder geölte Schreibmaschinen noch Visitenkarten, die zwar Vorstufen für das reibungslose Funktionieren der Bürokratie und Abwicklung der Aufgaben (, also Glieder in einer Kausalkette,) sind, die aber keinen Letztsinn in sich tragen.

Und genauso wird es den Menschen am Jüngsten Tag ergehen, die hinter dem „Schmuck des Diesseits“ vergessen haben, dass der Sinn des Diesseits nur in etwas Übergeordnetem, in etwas Größerem, nämlich im Dienst an Allaah und im Jenseits liegen kann. Über solche Verstorbene sagen die Hinterbliebenen leider voller Stolz: „Er hat sein Leben der Kunst gewidmet“. „Rennsport war sein ein und Alles“. „Er hatte sich mit Haut und Haaren der Literatur verschrieben.“

Möge Allaah Seine Diener vor diesem Schicksal schützen. Alles Lob gebührt Allaah und zu Ihm ist die Rückkehr.

Quelle

Die Liebe zu Allah

Imam Ibnul Qayyim

Ibn ul Qayyim erwähnte zehn Ursachen, welche zu der Liebe Allahs gegenüber Seinem Diener und der Liebe Seines Dieners gegenüber seinem Herrn führen. (Diese zehn sind):

Erstens: Das Rezitieren des Qurans, während man über seine Bedeutungen nachdenkt und sich Gedanken darüber macht, was genau damit gemeint ist.

Zweitens: Sich Allah zu nähern, indem man freiwillige Taten nach den obligatorischen Taten vollzieht. Dies ist so, wie es in dem Hadith Qudsi steht: „Mein Diener fährt fort sich Mir zu nähern, indem er freiwillige Taten vollzieht, bis Ich ihn liebe.“ [Überliefert von Buchary]

Drittens: Die ständige Erinnerung an Allah unter allen Umständen mit der Zunge, dem Herzen und den Taten. Die Größe der Liebe eines jeden gegenüber Allah wird von diesen Dingen bestimmt.

Viertens: Den Dingen, die Er (Allah) liebt, Vorrang geben, wenn man von seinen eigenen Leidenschaften heimgesucht wird, gegenüber den Dingen, die man selbst liebt.

Fünftens: Das Herz, welches begierig ist nach den Namen und Attributen Allahs und das Herz, welches in den Gärten des Wissens umherstreift.

Sechstens: Die verborgene oder offenkundige Großzügigkeit, Güte und Freigebigkeit von Allah beobachten.

Siebtens: Und diese ist das wundervollste von allen, dass das Herz vor Allah sanft, unterworfen und nachgiebig ist.

Achtens: Allein mit Allah sein, während Er in dem letzten Drittel der Nacht hinabsteigt, während man Sein Buch liest und diese (Lesung) damit beendet, indem man um Vergebung und um die Annahme der Reue bittet.

Neuntens: Mit den Geliebten und Aufrichtigen (Dienern Allahs) sitzen, um von ihren Früchte tragenden Gesprächen zu profitieren. Und nicht zu sprechen, außer wenn es nützlich ist oder man weiß, dass es den eigenen Zustand verbessern und nützlich für die anderen sein wird.

Zehntens: Von jeder Sache fern bleiben, die sich zwischen das Herz und Allah stellt.

Diese Zehn Dinge werden die Liebenden dazu bringen, die wahrhaftige Stufe der Liebe zu erlangen. Dies wird sie zu ihrem Geliebten (Allah) bringen.

ER gibt und ER hält zurück

Manchmal wird uns in dieser Dunya etwas gegeben, dass wir nicht wollten oder worum wir nicht baten, und manchmal ist etwas, dass wir uns so sehr wünschen, unerreichbar. Allah (azza wa jall) hält einige Dinge vor uns zurück; Dinge, die sich unsere Herzen vielleicht innigst wünschen. Und manchmal wiederum, legt Er (Allah ta ala) uns die Welt vor die Füße.
Er wählt, Er befiehlt, und Er regelt unsere Angelegenheiten mit einer Weisheit, die nur Er besitzt.
So schweben wir zwischen dem was uns an Wünschen erfüllt wird, und dem, was uns stattdessen gegeben wird. Der Kluge begreift daher, dass er oder sie zwischen der Geduld und Dankbarkeit in der Schwebe bleibt.

Würde ER (Allah ta ala) die Dunya uns überlassen, und uns jeden Wunsch, jedes Bedürfnis und jede Begierde erfüllen, dann würden wir Ihn wahrlich vergessen, und wir wären ohne Recht überheblich im Lande.
So enthält Er (subhanahu wa ta’ala) uns einige Dinge vor und gibt uns andere, damit wir als Gläubige, als Demütige, und stets in einem Zustand von iftiqar (dringend angewiesen) Seiner Erhabenheit gegenüber bleiben.

Wenn Allah all Seinen Dienern unbegrenzt geben würde, würden sie zügellos Untaten auf Erden begehen. Er gibt aber nach Maß, wie Er will. Er kennt Seine Diener bestens und sieht sie genau. [42:27]

Rasulullah (sallallahu alayhi wa sallam) lehrte uns nach jedem Gebet, folgendes Bittgebet aufzusagen:
„O Allah, keiner kann zurückhalten, was Du gegeben hast, und keiner kann geben, was Du zurückgehalten hast.“


Es ist eine wahre Schönheit, die jeden Gläubigen erinnert und seine/ihre Kraft, den Glauben und das Vertrauen erneuert. Es ist für uns eine starke Wand zum Anlehnen, wann immer Schwierigkeiten auftreten; und es ist eine aufsteigende Treppe, damit wir sie nutzen, wenn wir aus Unheil hinaus müssen.

Sufyan ath-Thawri (rahimahullah) sagte: „Wahrlich, wenn Allah zurückhält, gibt Er in Wirklichkeit, denn Er hält nicht aus Geiz oder Knauserigkeit zurück, sondern macht es zum Vorteil des Dieners. So ist die Tatsache, dass Er vorenthielt, eigentlich Seine Wahl für den Diener und Seine ausgezeichnete Entscheidung.“

[Madarij as-Salikin]

Mittwoch, 23. Mai 2012

Vergebung vor den Tod suchen

Der folgende Bericht ist ein Gedicht von Imam ash-Shafi’i.

Al-Muzni, dessen Name Abu Ibrahim Ismail Ibn Yahya ist, sagte: „Ich trat bei ash-Shafi’i während seiner Krankheit ein, woran er dann schließlich starb und so sagte ich zum ihm: „Wie ist dein Zustand?“ Er erwiderte:
„Ich reise von dieser Welt und verlasse meine Brüder, trinkend vom Kelch des Todes und treffe auf Allah. Und Nein! Bei Allah, ich weis nicht, ob meine Seele ins Paradies oder in die Hölle geht!“ Dann fing er an zu Weinen und sagte:

Zu Dir, dem Erschaffer, erhebe ich mein Verlangen,
Und selbst wenn Ich, oh du Besitzer der Güte und des Edelmut, ein Übeltäter, ein Krimineller bin
Wenn mein Herz sich zusammenzieht und mein Pfad sich verengt,
So lege ich meine Hoffnung in Deiner Gnade und Versöhnlichkeit als eine Öffnung und einer Zuflucht
Meine Sünden erschienen mir sehr groß, doch als ich sie mit Deiner Versöhnlichkeit verglich, 
Befand ich Deine Versöhnlichkeit als viel größer
Du bist und bleibst der Einzigste der Sünden vergeben kann,
Du bewilligst und verzeihst aus Deiner Wohltätigkeit und Deines Edelmuts heraus
Wäre es nicht für dich, dann könnte ein Diener niemals Iblis trotzen und wie kann es sein wenn er dein Freund Adam irreführte/täuschte.
Wenn ich doch nur wüsste! 
Werde ich das Paradies erreichen, was mich entzücken würde
Oder ins Höllenfeuer, was ich Bereuen würde?
Wie Befähigt ist Allah! 
Für dem einen bekannt gemachten mit Wehklagen,
wo Blut geradezu von seinen Augenliedern wegen des Übermaßes an seinen Emotionen (Wehklagen) fließt
Er steht wenn die Nacht seine Dunkelheit austreckt
Stehend gegen sich selbst aufgrund der äußersten Furcht, der Sündhaftigkeit
Eloquent wenn er seinen Herrn erwähnt 
Und in der Erwähnung anderer als Ihm ist er sprachlos
Er gedenkt den Tagen seiner vorbeigegangenen Jugend 
Und was darin für eine Ignoranz war, er war ein Verbrecher
Und so ist sein gesamter Tag, der Gefährte des Kummer geworden,
der Bruder von Schlaflosigkeit und der heimlichen Konversation 
wenn in der Nacht die Dunkelheit einbricht
Er sagt, „Mein liebster, Du bist das was ich mir wünsche und begehre
Du bist ausreichend für die Sehnsucht und der Wohltat für jene die Hoffnung haben
Bist Du denn nicht der Eine der mich versorgt und leitet
Und Du hast nicht aufgehört zu mir Barmherzig und voller Begünstigungen zu sein
Vielleicht wird der Allerbarmer mir meine Fehler vergeben 
Und meine Verbrechen und das daraus hervorgegangene verdecken
Meine Sünden scheinen mir sehr groß, 
so wende ich mich zu Dir in Demut Wäre es nicht für meine Genugtuung für Dich, 
so würde ich, oh Mein Herr, keine Behaglichkeit überall erblicken
Also wenn Du mir vergibst, so würdest Du einen Sünder vergeben,
Einen rebellisch, bedrückenden Tyrann, der dennoch sündigt
Also wenn Du Vergeltung von mir verlangt, so würde ich nicht verzagen
Selbst wenn meine Seele in Jahannum aufgrund der Sünden eintritt
Meine Verbrechen sind groß, in der Vergangenheit und Gegenwart,
Doch Deine Vergebung kommt viel erhabenerer und größer zu den Diener,
Die Wohltätigkeit von Allah umgibt mich von allen Seiten
Und Licht vom Barmherzigen hat sich in den Himmel ausgebreitet
Und im Herzen ist der strahlende Glanz des geliebten wenn er vereint ist
Und wenn frohe Kunde nah zieht wird es fieberig
Frohsinn umgibt mich ausschließlich für Allah
Es überschaut mich in der Dunkelheit des Grabes, augenscheinlich und klar
Ich schütze meine Liebe, aus Furcht dass meine Begierden es verunreinigen
Und ich bewahre den Vertrag der Liebe, aus Furcht dass es defiliert wird
In meinen Wachheitszustand ist mein Verlangen und in meinem Schlaf ist Schicksal
Dies lässt meine Schritte nach Ekstase streben
Wer auch immer fest an Allah hält, so ist er von den Menschen geschützt
Und wer auch immer auf Ihm hofft, wird nimmer etwas bedauern.




Tränen bei Quranrezitation


Wunderschöne Dua von Sheikh Nasser Al-Qatami




Dienstag, 22. Mai 2012

Wie stärke ich meinen Iman?

1) Erweitere dein Wissen im Islam! Allah sagt im Qur'an, dass nur die Wissenden Ihn fürchten wie es Ihm gebührt. 
2) Lese täglich aus Allahs Buch oder den Überlieferungen des Gesandten! Und die beste Ermahnung ist der Qur'an, wenn er mit Aufmerksamkeit gelesen wird. 
3) Kenne Allahs Namen und Eigenschaften! Lerne Allah kennen, denn je besser du ihn kennst, desto mehr wirst du ihn lieben. 
4) Lese die Sirah! Die Liebe zu dem Gesandten :sas: wird wachsen und je größer die Liebe zu dem Gesandten ist, desto größer wird deine Motivation sein, ihn nachzuahmen :sas:. 
5) Sei dir bewusst, was für eine Gabe der Islam ist! Schau dir die Kuffar an. Sie haben diese Gabe von Allah nicht erhalten. Sei Allah dankbar für dieses große Geschenk. 
6) Betrachte Allahs Schöpfung! Denke über ihre Schönheit und Komplexität nach. Wenn schon die Schöpfung so wunderbar ist - wie muss dann erst der Schöpfer sein? 
7) Verschönere deine Ibadah! Allah wird deine Anstrengungen sehen und dir entgegenkommen. 
8) Reinige dein Herz! Entferne dich von den Sünden, die dein Herz verdunkeln, erinnere dich an Paradies und Hölle, dies wird dich näher zu Allah bringen. 
9) Behandle die Menschen mit Güte! Wer den Menschen gnädig ist, dem wird Allah azza wa jall gnädig sein. 
10) Gebiete das Gute, verbiete das Schlechte! Diejenigen, die rechte Worte sprechen wird Allah auf Seinem Weg festigen.
11) Rufe die Menschen zum Islam auf! Allah sagt im Qur'an, dass die beste Art von Rede die Einladung zum Islam ist. 
12) Verkehre mit rechtschaffenen Menschen! Du wirst von ihren Worten und Handlungen profitieren und an Allah erinnert werden, wohingegen der Sünder dich nur an das Diesseits erinnern wird. 
13) Halte dich von irregeleiteten und sündigen Menschen fern! Diese werden deinen Iman schwächen und deinem Herzen schaden. 
14) Kontrolliere deine Zunge! Kein Körperteil ist es wert, so in Gefangenschaft gehalten zu werden wie die Zunge!
15) Senke deine Blicke! Du weißt nicht, was ein einziger Blick auf das Verbotene mit deinem Herzen anrichten kann.
16) Schaue nicht auf die Menschen und was Allah ihnen an Dunja-Versorgung gewährt hat! Es ist nur eun Nießbrauch auf Zeit und wenn sie ihre Mittel nicht einsetzen, um Allahs Wohlgefallen zu erlangen, wird es eine Last für sie an Yaumal Qiyamah werden. 
17) Sprich immer die Wahrheit! Wahrhaftigkeit wird dich vor Sünde bewahren und ins Paradies führen wie Allah es im Qur'an verspricht. 
18) Nimm dir rechtschaffene Leute als Vorbild! Schau dir die Stufe des Iman an, die sie erreicht haben und kopiere ihr gutes Verhalten.